Seiten

Mittwoch, 7. Januar 2015

Die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt stellen. 2014 Recap

Welche Grenzen habe ich dieses Jahr überschritten?
Was habe ich gelernt?
Wo war ich?
Was habe ich erlebt?

Das Jahr begann mit einem guten Cocktail bestehend aus freudiger Erwartung gemischt mit Stress und einem Spritzer Melancholie.
Ich verbrachte die ersten Tage des Jahres mit ein paar Freundinnen in Kopenhagen und sah dies als passenden Jahresbeginn. Ein Beginn, den mein reiseliebendes Herz als gutes Omen für das gesamte Jahr sah. Wie viele andere auch sind die ersten Stunden eines neuen Jahres für mich wie eine Art symbolischer Neuanfang. Nur symbolisch, denn natürlich kann ich nicht einfach so mit den Geschehnissen des vergangenen Jahres abschließen und sie komplett aus meinem Leben aussperren. Sie sind schließlich schon längst auf irgendeine Art und Weise ein Teil von mir geworden.
Schon eine Woche nach meiner Rückkehr beschlossen Tini und ich innerhalb von wenigen Stunden den Nagel auf den Kopf zu schlagen und unseren Flug nach London zu buchen. Bei meinem Weihnachtsessen beschlossen wir, dass wir zusammen im neuen Jahr in eines unserer Lieblingsstädte reisen und dort ihren Geburtstag verbringen sollten.  Daraus folgte, dass ich meine Bachelorarbeit im März abgeben musste, weil unser Trip für Mitte März angedacht war. Und wir beide gehören zu der Sorte Menschen, die Sachen erledigen oder unternehmen, wenn wir es sagen. In ihrer Gegenwart bin ich noch mehr eine „Macherin“ als sonst schon. Als ich mein Ticket für London buchte, wurde mir die erste Sache bewusst, die ich dieses Jahr gelernt bzw. in meinem Denken vertieft habe. - Mit den richtigen Menschen um mich herum, werde ich mich zu einem besseren Menschen entwickeln. - Die eine Woche in London mit ihr war voller Inspiration. Nicht nur auf kulinarische Art und Weise, sondern viel mehr wurden mir einige Sachen über mich selbst klar. Die Zeit in London machte mich wirklich glücklich: es war erholsam und erlebnisreich zugleich. Ich verbrachte mein erstes „fine dining“-Erlebnis mit den beiden Menschen, die wohl am meisten meine Leidenschaft für gutes Essen teilen. Und ich sprach mit ihnen über meine Träume und Ziele, über meine wirklichen Ziele.
Denn die Ausgangssituation besagte: „My Linh, du hast dein Studium mehr schlecht als recht abgeschlossen. Du hast viele Träume, aber nur Scheinpläne, welche du dir selbst schön redest. Wie kannst du andere Leute von dir und deinen Fähigkeiten überzeugen, wenn du nicht einmal an dich selbst glaubst. Eigentlich hast du doch gar keinen Plan, was du mit deinem restlichen Leben machen willst.“ Also beschloss ich nach meiner kleinen Reise mir Zeit für mich selbst zu nehmen und herauszufinden wer ich bin und was ich wirklich will. Es fällt mir schwer das zuzugeben, aber ich habe für meine Verhältnisse und meinen kurzen Geduldsfaden sehr lange gebraucht. Denn ich fand meine Träume und Ziele zu diesem Zeitpunkt einfach sehr unrealistisch und unvernünftig. So hing ich also einen ganzen Monat bei meiner Mutter ab. (An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass ich meine Abschiedsparty am gleichen Tag schmiss, wie ich die letzten Sätze meiner Bachelorarbeit verfasste und das gute Stück am darauffolgenden Tag druckfertig machte, um dann am gleichen Mittag aus meiner Studienstadt wieder zurück nach Leipzig zu ziehen und um dann das Wochenende mit meinen Göttinger ¾ auf der Buchmesse zu verbringen. Weil ich mir natürlich immer noch nicht abgewöhnt habe, alles auf den letzten Drücker zu machen.) Es war genau so, wie es klingt. Ich hing ab. Obwohl ich die ganze Zeit in Leipzig in unmittelbarer Nähe meiner Freunde war, unternahm ich verhältnismäßig wenig mit ihnen. Ich hockte zu hause und schmiss ein bisschen den Haushalt meiner Mutter, wollte allein sein, viel schlafen und lesen. Man könnte fast schon behaupten, ich hätte mich von der Außenwelt abgeschottet, weil ich „Erholung“ brauchte und weil ich an einer temporären Sackgasse im Labyrinth des Erwachsenwerdens stand. Bis ich mich eines Tages aufraffte und beschloss der Sackgasse den Rücken zu kehren und einen neuen Weg zu gehen, mich einer neuen Herausforderung zu stellen. Meine Mutter schickte mich nach Dresden in eines ihrer Restaurants, weil eine Angestellte entlassen worden ist. Zu diesem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass ich im Sommer das Land verlassen müsse, um wieder atmen zu können. Ich versprach meinem Vater und meiner Familie in Vietnam, dass ich dieses Mal mehr Zeit mit ihnen verbringen würde. Die paar Monate in Dresden haben mir gezeigt, dass ich noch viel an mir arbeiten muss. Zwar liebe ich es Verantwortung zu tragen und „wichtige“ Aufgaben zu haben, jedoch war ich dem Stress manchmal nicht gewachsen. Natürlich ließ ich mir nach außen hin wenig bis nichts anmerken. Wozu auch. Ich bin nicht der Typ Mensch, der nach Mitleid schreit. Der Stress und der eintönige Alltag kratzten ein bisschen an meiner Psyche und ein bisschen mehr an meiner Gesundheit. Ich will mich nicht beschweren, auch wenn es teilweise schwierig war. Eher bin ich meiner Mutter dankbar, dass sie so ein großes Vertrauen in mich hat, an mich geglaubt hat und mir diese und weitere Chancen gegeben hatte. So klischeehaft wie es auch klingen mag, aber es stimmt: was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Daraufhin lernte ich am eigenen Leib, dass ich mit jeder neuen Aufgabe wachse. Vorher war es wohl einfach nur hohles Gerede, als ich meinen Freunden apostelmäßig Ratschläge gab. Eines meiner großen Vorsätze zum Jahr 2014 war es aus meiner „Wohlfühl“-Zone (comfort zone) herauszutreten. Die Zeit in Dresden zog mich langsam aus diesem sicheren Bereich meines Lebens. Ich finde, dass wir (ich zumindest) während der Schulzeit kleine Küken in unseren Eierschalen sind/waren, dann in der Studienzeit gerade mal die Eierschale aufgeschlagen haben und wenn wir dann in die echte Welt freigelassen werden, werden wir von einen Tag auf den nächsten aus der Schale kopfüber ausgekippt in der Hoffnung nicht auf den Kopf zu fallen oder uns sämtliche Knochen zu brechen. Und die Autoritäten erwarten von uns, dass wir von einen Tag auf den nächsten ausgewachsen sind und die schützende Schale nicht mehr brauchen. Und, das stimmt einfach nicht. Manchmal habe ich mich schon nach diesem behüteten Gefühl gesehnt, aber das gehört wohl auch alles zum Erwachsenenwerden dazu.
In Dresden habe ich eine weitere wichtige Sache für mich gelernt: es ist okay mal die Nerven zu verlieren. Es ist durchaus einfacher nicht alles immer unter Kontrolle haben zu wollen. Manchmal muss man auch mal komplett los lassen und sich selbst auch einmal Schwäche erlauben. Für mich ist viel wichtiger, dass ich mir eingestehe, dass Tränen nicht nur trocknen, sondern in bestimmten Momenten eine unbeschreibliche Erleichterung bedeuten. Das heißt für mich jetzt trotzdem nicht, dass ich meinen Tränen und Gefühlen immer freien Lauf lasse. Lediglich eine Erkenntnis. Alles hat seine Zeit und seinen Ort. Denn in vielen Situationen ist es schlauer einen kühlen, klaren Kopf zu bewahren – besonders, wenn man einer administrativen Position innewohnt. Vielleicht kann ich nächstes Jahr mehr dazu sagen, weil ich im Moment oft noch weit von einem Idealzustand entfernt bin.
Die Wochenenden, die ich in dieser Zeit zu Hause in Leipzig verbrachte, zeigten mir wie wichtig Familie und Abschalten von der Arbeit sind.
Als das Kapitel namens Dresden abgeschlossen war, bereitete ich mich auf meine große Reise vor. Ich wollte auf unbestimmte Zeit nach Asien, um mir nur wage bekannte Kulturen zu erkunden und um mich selbst zu finden. Im Prozess der Vorbereitung kam zu kleinen Teilen der wanderlustige Kontrollfreak in mir hervor. Ich legte mir ein Reisetagebuch zu und legte mit der Hilfe von unzähligen Reiseführern und Blogs Listen von allen möglichen Dingen an. Vor allem fing ich an mein Leben etwas minimalistischer zu gestalten: meine sozialen Netzwerke wurden aufgeräumt, soziale Kontakte wurden nur noch zu den engsten Freunden gepflegt, Kleidung wurde gespendet oder verkauft, meine Make-Up Sammlung wurde verkleinert (oder zumindest nicht exzessiv vergrößert...) und als es ans Kofferpacken ging, kam ich mit viel weniger aus als ich mir je vorgestellt hätte.
Kurzer Einwurf: Im Nachhinein betrachtet, führte eine Sache zur nächsten; jeder Schritt führte zu dem Punkt, an dem ich jetzt stehe. Aber fahren wir fort, sind schließlich erst im Juni angelangt.
Von Juni bis September war ich frei. So frei wie ich es mir zum Reiseantritt vorstellte. Im Juni packte ich meinen kleinen roten Koffer und reiste durch Deutschland (Ludwigshafen, Mannheim, Magdeburg, Göttingen, Berlin, München, Nürnberg) und in die Schweiz (Zürich, Bern, Thun, Interlaken). Ich besuchte Freunde und schrieb in jeder Stadt Postkarten an meine Göttinger Vier. Der ganze Monat versetzte mich ein bisschen in meine Zeit vor dem Abitur zurück, damals verreiste ich ebenfalls so oft wie möglich, um Freunde zu besuchen. Der Unterschied dieses Mal: ich war finanziell unabhängiger. Selbstverdientes Geld, ein gutes Gefühl im Gepäck und auf ins Vergnügen!
Im Juli verabschiedete ich mich von meinen Jungs und meiner Familie in Deutschland. Ich würde nicht sagen, dass die Wehmut groß war, denn die Aussicht auf Rückkehr war vorhanden. Also reiste ich mit meiner Schwester nach Vietnam. Wir reisten ein wenig in Vietnam (Tam Dao, Da Nang, Hue, Saigon, Phu Quoc, My Tho, Can Tho) herum bis sie dann wieder zurück nach Deutschland musste, da ihre Schulferien sich dem Ende neigten. Es war eine gute Zeit, vor allem weil wir uns als Schwestern durch Streitigkeiten näher gekommen sind. Sobald sie das Land verließ, machte ich mich auf meinen Trip nach Südkorea und nach Japan zu planen. Die Aufenthalte in Südkorea und Japan gehören mit zu meinen Jahreshighlights, obwohl sie unmittelbar nacheinander stattgefunden hatten, könnten sie nicht unterschiedlicher sein. Die Reise nach Südkorea war schon Monate vorher angedacht, jedoch plante ich den genauen Zeitraum sehr spontan. Ich richtete mich nach dem Aufenthalt meiner Freunde. Cristina verbrachte mehrere Monate in Seoul, mein bester Freund und seine Geschwister nur knapp eine Woche und ein guter Kumpel, aus längst vergessener Zeit, war zwei Wochen dort. Also suchte ich mir die Zeitspanne aus, in der sich ihre Aufenthalte überschnitten und buchte meinen Flug. Schon bevor ich meine Reise antrat, hatte ich ein gutes Gefühl bei meiner Gruppe. Ich war mir fast sicher, dass sie sich alle gut verstehen werden. Und mein Gefühl täuschte mich nicht: alle verstanden sich blendend und es machte alles einfach nur sehr viel Spaß. Es war für mich ein unbeschreiblich gutes Gefühl mich mit meinen Freunden in einer anderen Stadt, in einem anderen Land zu treffen und zusammen Urlaub zu machen, sorgenfrei zusammen zu feiern und einfach gutes Essen zu genießen. Die Freundschaft zu dem Kumpel aus längst vergessener Zeit verfestigte sich in unserer kurzen gemeinsamen Zeit in Seoul und diese Freundschaft würde mir in den kommenden Monaten die Kraft, Inspiration und den Halt geben, die ich in meinen Momenten der Zweifel brauchte. Als ich nach Japan flog, hatte ich nur meine erste und letzte Station meiner Reise festgeplant, alles andere passierte super spontan. Ich buchte meine Hostels eine Nacht bevor ich in dieser Stadt ankam. Ich habe sogar noch am Flughafen mich über günstige regionale Tickets erkundigt. Des Weiteren erlebte ich so viel in Japan, weil ich zum einen allein gereist bin und zum anderen wollte ich meine Zeit optimal nutzen. Es tat gut die Ruhe zum Nachdenken zu haben und von meiner Kontrollfreak-Persönlichkeit loszulassen und einfach nur von einen Tag auf den nächsten zu leben. Es war für mich ein Abenteuer in einem völlig fremden Land ohne Begleitung oder jegliche Sprachkenntnisse mich zurecht zu finden. Wobei ich sagen muss, dass Japan es mir doch weitestgehend leicht gemacht hat. Zum einen würde ich den wunderschönen Inselstaat definitiv zu den fortschrittlichen asiatischen Ländern zählen und zum anderen erinnerte mich so vieles an Taiwan. (Was natürlich durch den historischen Hintergrund bedingt sehr nahe liegt.) Und jeder weiß, dass Taiwan einen besonderen Platz in meinem Herzen hat. Es machte auch sehr viel Spaß neue Leute kennen zu lernen und zum Beispiel random mit ein paar europäischen Jungs Grüntee-Sake und Yakitori in einer Bar in einem kleinen Vorort von Tokio zu sich zu nehmen. Witzig war zu sehen, wie die Jungs meinen „Mut“ bestaunten als Frau allein durch ein fremdes Land zu reisen. Natürlich hatte ich am ersten Tag ein bisschen Angst verschleppt und verkauft zu werden, aber mein asiatisches Aussehen half mir wahrscheinlich unauffällig zu bleiben. Dazu kommt noch, dass ich wohl von mir behaupten kann, dass ich mich schnell an neue Situationen und Umgebungen gewöhnen kann. Wenn man so will, würde ich sogar so weit gehen und sagen, dass ich eine Kosmopolitin bin.
In Vietnam zurückgekehrt, überprüfte ich meine Finanzen, denn ich wollte weiter verreisen. Ich wollte nach China und den Norden erkunden, ich wollte einen kurzen Trip nach Taiwan machen, ich wollte bis Dezember in Neuseeland sein etc. Jedoch wollte mein Vater mich nicht gehen lassen. Finanziell gesehen, hätte ich locker alles selbst finanzieren können. Schließlich arbeitete ich im Frühjahr hart in Dresden und hatte auch noch einiges angespart. Die gute Tochter in mir entschied sich aber dagegen wieder einmal etwas gegen den Willen meines Vaters zu tun und ich suchte nach einem Kompromiss. Denn ich wollte noch nicht nach Deutschland zurück. Ich hatte das Land aus einem bestimmten Grund verlassen und dieser Grund, dieses Ziel hatte ich noch nicht erreicht.
Der September verging sehr schleppend, aber wiederum auch schnell. Neben ein paar Opernbesuchen, feuerte ich auch im My Dinh – Stadion die vietnamesische U19-Nationalelf an. Es gab etliche Meinungsverschiedenheiten mit meiner jungen Stiefmutter, die mich oft innerlich zur Weißglut brachten – äußerlich ließ ich mir wenig anmerken. Das ist für mich auch eine kleine Errungenschaft – bessere Selbstbeherrschung in der Gegenwart von vietnamesischen Erwachsenen. Ende September hatte ich auch wieder das große Bedürfnis fort zu gehen. Es fühlte sich zu diesem Zeitpunkt an, als würde der Sauerstoff meine Lungenflügel nicht ausreichend ausfüllen. Ebenfalls habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit ein bisschen Einsamkeit verspürt. Denn ich war zwar umgeben von meiner Familie, jedoch fehlte es mir an Freunden in Vietnam. Ich hatte das Gefühl sozial ein wenig einzugehen.
Um mich von meiner Lage abzulenken, fing ich aufgrund meiner, für mich, außergewöhnlichen Gewichtszunahme an Sport zu treiben. (Ich hatte sonst eigentlich nichts zu tun.) Die Menschen in meinem Umfeld hatten mich in der Vergangenheit diesbezüglich nur wenig beeinflusst, womit ich mir auch teilweise ihre Reaktionen erklärte als ich ihnen von diesem neuen Faktor in meinem Leben berichtete. Sie waren überrascht, jedoch voller Unterstützung. Zunächst näherte ich mich langsam an diese gesamte Thematik, entdeckte schnell, dass ich mich nicht grundlos in der Vergangenheit davor scheute, zog es jedoch durch. Mein Ego und mein Ehrgeiz sind mein Antrieb, auch wenn ich nicht unbedingt große Freude daran habe. Das bildet glücklicherweise meine Brücke zum nächsten Thema bzw. der nächsten Lehre: manchmal muss man das Beste aus Ungewolltem machen. Eine wohl größere Überraschung für meinen Freundeskreis zeigte sich, als ich ihnen von meinem neuen (vorrübergehenden) Beruf erzählte. Ich sprach oben von einem Kompromiss mit meinem Vater. Dieser Kompromiss hing mit viel Überwindung von meiner Seite zusammen, denn ich wollte nie Lehrerin werden. Es war für mich nie eine Option. Das liegt wohl daran, dass ich glaubte ich könne nicht so gut vor Menschen reden, geschweige denn ihnen Wissen vermitteln. Am Anfang hatte ich keine großen Erwartungen, als ich meine Bewerbungen fertig machte. Man könnte schon fast meinen, dass ich nicht daran glaubte auch nur irgendwo genommen zu werden. Meine Qualifikationen waren faktisch gesehen nicht ausreichend. Zum Glück ist Vitamin B in Vietnam gang und gäbe. So ging plötzlich alles furchtbar schnell. Ab Oktober fing ich an Deutsch zu lehren und kurz darauf auch Englisch.  Ich möchte nicht zu detailliert auf meine Lehrtätigkeit eingehen. Mehr darauf was für Schlüsse ich für mich heraus gezogen habe. Als Berufsneuling hatte mich Kritik furchtbar fertig gemacht, auch wenn es so gesehen vielleicht nur für zwei-drei Tage war. Herausforderungen sind dazu da überwunden und gemeistert zu werden. Meine Unterhaltungen mit meinen Kollegen halfen mir schnell wieder an Selbstvertrauen zu gewinnen und spornten mich regelrecht an, an meinen Fähigkeiten zu arbeiten, um meine Arbeit so gut wie nur möglich zu machen. Daraus folgte, dass ich simultan zu meinen Unterrichtsvorbereitungen mir selbst viele fachliche Dinge beibrachte. Sodass ich mit jeder Unterrichtsstunde selbstbewusster wurde und mir schließlich zutraute mehr Kreativität einzubauen und eine größere soziale Bindung zu meinen Schülern aufzubauen. Es macht unglaublich viel Spaß zu sehen, wie meine Schüler ein bisschen durch meine Hilfe ihr Wissen erweitern und immer besser werden. Man könnte schon fast behaupten, dass es mir ein erfüllendes Gefühl gibt.  Schnell wurde mir natürlich auch klar, dass ich es nicht auf die Dauer machen könnte. Die Angst nach einer Zeit abzustumpfen und den Enthusiasmus zu verlieren, ist viel zu präsent. Auf der anderen Seite sehe ich mich auch einfach nicht in dieser Position, meine Leidenschaft liegt in einem anderen Feld.
So begann also mein „langweiliger“ Alltag und somit verschoben sich alle meine Reisepläne auf unbestimmte Zeit.
Ende November stand auch fest, dass ich über Weihnachten und Silvester nach Deutschland zurückkommen würde und das mein traditionelles Weihnachtsessen mit la familia nicht ins Wasser fallen würde. Also hielt ich die Luft an und plante langsam und voller Vorfreude schon drei Wochen vorher das Weihnachtsessen. Die Einladungen schickte ich raus noch bevor ich mein Flugticket gebucht hatte.
Die letzten zwei Wochen des vergangenen Jahres waren so erlebnisreich, dass sie wohl ihr eigenes Kapitel sind. Sie zeigten mir, als ich Silvester in Göttingen verbrachte, dass meine Mädels und ich in diesem Jahr, jede Einzelne, vor einem Lebensumbruch stehen. Und das wir uns zwar „nur“ seit Anfang unseres Studiums kennen, uns jedoch zu jeder lebensverändernden Phase seit unseres Kennenlernens beistehen.
Was meine Jungs in Leipzig betrifft, bin ich einfach nur dankbar. Dankbar für alle die vergangenen Jahre – für all den Spaß, die Probleme, den Einfluss.
Zum Schluss noch ein Hoch auf meine Mädels, die ich im Laufe der letzten Jahre außerhalb meines Studiums kennengelernt habe. Ich bin verdammt froh, Mädels gefunden zu haben, die meine Eigenheiten wertschätzen und mich aushalten.

Danke für den Halt, das Formen meines Charakters und das gemeinsame Wachsen im letzten Jahr.
Und darauf, dass 2015 mehr Herausforderungen und Glück in unsere Leben bringen wird.