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Sonntag, 27. März 2016

Friendship - a love letter

Die Freundschaften nach der Universitätszeit sind anders.

Im Kindergarten, in der Schule und in der Uni wird man in einen Sozialisierungspool geschmissen und in den meisten Fällen ist für jeden etwas dabei. Wenn das nicht ausreicht, gibt es die verschiedenen Sportvereine, Clubs, Arbeitsgemeinschaften und das Internet um Freunde zu finden.
Ich für meinen Teil tat mir schon immer etwas schwer neue Freunde zu finden. Natürlich hatte ich bei facebook irgendwann auch eine abnormale Zahl an Gesichtern, deren Namen ich zwar kannte, aber mehr halt auch nicht. Neue Bekanntschaften schließen, networking und all der Spaß sind schon wichtig für's Leben. Da sich unter all diesen Personen eventuell lebenslange Freunde verbergen könnten. Eventuell.
Der Grund warum es mir manchmal etwas schwerer fällt Freunde zu finden, ist das ich nicht immer offen genug bin und oftmals Vorurteile hab. Der erste Eindruck, den ein Mensch bei mir hinterlässt, prägt sich nun mal stark ein. Und wenn ich eine unsympathische "Aura" verspüre, bilde ich mir mit meiner blühenden Phantasie auch gerne mal unlogische Meinungen oder neige da zu kleine Fehler ihrerseits mit meinem losen Mundwerk zu vergrößern. Ja, ich gebe meine Ansichten über Personen oft auch ungefragt kund. Ändert aber wahrscheinlich nicht so viel daran, dass es diesen Menschen genauso wenig bedeutet, dass ich sie nicht mag, wie es bei mir der Fall ist.
Auf der anderen Seite schätze ich jedoch die Menschen, die ich nun als die Art von Freunde sehen kann, welche mir höchstwahrscheinlich eine lange Zeit, wenn nicht sogar ein Leben lang bleiben, sehr.
Während meiner Zeit an der Uni in Göttingen habe ich meine vier besten Freundinnen kennengelernt. (Im folgenden werde ich ihnen neue Namen geben.) Als ich Anfang Oktober 2010 mein neues Abenteuer begann, traf ich Violet. Man könnte sagen, wir sind ab Tag 1 unserer Orientierungsphase befreundet. An dem Tag wurden wir von Leuten aus höheren Semestern unseres Studiengangs über den Campus geführt. Nachdem sowohl Violet als auch ich von einer etwas nervigen, uns unsympathischen Labertasche mit Fragen überrumpelt wurden, wir beide nur einsilbig antworteten, diese uns dann in Ruhe ließ, entschloss ich Violet anzusprechen. Sie lief allein, sprach mit niemanden und ich fand den Großteil der Anwesenden nicht so interessant. Natürlich waren wir beide noch etwas schüchtern und reserviert, aber in den darauffolgenden Tagen wurden wir uns immer sympathischer. Die gleichen Leute nicht zu mögen, hilft immer. Unsere erste inoffzielle Woche verging wie im Flug mit tausend neuen Eindrücken und reichlich viel Alkohol. Als der erste Unterrichtstag anbrach und wir alle wie Erstklässler voll freudiger Erwartung in unserem Klassenzimmer saßen und gespannt auf die ersten chinesischen Schriftzeichen waren, entdeckte ich ein neues Gesicht in unseren Reihen. Marigold saß allein und ich schnappte ihren doch etwas alterstümlichen und für unsere Generation ungewöhnlichen Namen sofort auf. Ich erinnere mich noch daran, wie ich am Nachmittag nach dem Unterricht zu Violet sagte, dass Marigold auf jeden Fall unsere neue Freundin werden müsse. Von der ersten Sekunde an war sie mir nämlich sympathisch gewesen. Sie hatte eine sehr willkommene, freundliche aber doch etwas quirlige Ausstrahlung. Am nächsten Tag hatten wir morgens wieder Unterricht bei der gleichen Dozentin im gleichen Raum, dementsprechend gleiche Sitzordnung. Die Tische waren u-förmig aufgestellt, hatten vereinzelt jedoch andockende Tische, welche frontal zur Tafel gerichtet waren. Mari saß an einem solchen Tisch und ich saß ihr seitlich gegenüber, sodass ich auf sie schaute, wenn ich geradeaus sah. Ich hatte zu der Zeit einen kleinen blauen Locher bei dem jedoch der Markierungspfeil für die Mitte einer (A4-)Seite nicht mehr sichtbar war. Und ich weiß nicht mehr warum ich ausgerechnet und unbedingt an diesem Morgen diesen Pfeil auf den Locher einzeichnen wollte. Wahrscheinlich hat es mich einfach genervt. Der schwarze Edding war dann schnell von Violet geliehen, jedoch war ich zu faul oder nicht in der Lage den Pfeil selbst einzuzeichnen. Woraufhin ich kurzerhand Mari darum bat dies für mich zu tun. Sie war erfolgreich, von mir kamen Lob und Dankeschön inklusive Lächeln und nach der Stunde eine Einladung zum gemeinsamen Mittagessen in der Mensa. Ab diesem Tag an, saßen wir drei immer in ähnlicher Konstellation nah bei einander in all unseren Chinesisch-Kursen.
Es dauerte fast ein halbes Jahr bis Daisy in mein Leben trat. Sie studierte wie Violet und ich auch Englisch als Zweitfach und ich sah sie gelegentlich auch in Vorlesungen oder auf dem Campus, aber erst an Marigolds Geburtstag lernten wir uns besser kennen. Daisy ist eine sehr intelligente, aber ebenso auch bescheidene gute Seele. Es dauerte nicht lang bis wir Vier alle wichtigen studentischen Ereignisse miteinander teilten. Und, Dalia war zunächst nur eine Freundin von Daisy und sie komplettierte unsere kleine Gruppe erst in der zweiten Hälfte meines Bachelorstudiums. Ich weiß noch wie ich ständig Dalias Namen falsch aussprach und Buchstaben reinmogelte, wo sie nicht hinein gehörten. Nope, Daria ist nicht das gleiche wie Dalia. Aber natürlich verzieh sie mir. Unkonventionell und fürsorglich beschreiben sie wohl am besten. Dalia ist auch sehr verdient die Sporty Spice unter uns. Wir hatten zwar außerhalb unserer kleinen Gruppe auch individuell noch mehr gute Freunde, nach und nach verschmolzen unsere Freundeskreise jedoch auch (teilweise).
In den Jahren, die wir gemeinsam unsere alma mater besuchten, wuchsen wir auch gemeinsam auf. Es gab viele Kochabende, Kneipentouren und auch etliche Diskoaufenthalte. Besonders mochte ich die Abende/Nächte, in denen wir und unsere Freunde die einzigen im gesamten Club waren. Es fühlte sich an als hätten die den etwas ranzigen Club nur für uns allein geöffnet. Im Endeffekt war es auch so. Nach etwa 30 Minuten übernahmen Dalia, Daisy und Mariygold die "Musik-Wunschliste" und es lief nur noch die von uns ausgesuchte Musik. Als wären wir die Königinnen der Welt oder zumindest von Göttingen.
Kaffee und Alkohol flossen in ungesunden Mengen. Kuchen und Eis waren zu jeder Jahres- und Tageszeit angebracht, selbst Grillen auf dem Balkon bei eisigem Schneewetter. Wir rutschten zwischen den Jahren von der einen oder anderen romantischen Errungenschaft zur nächsten, verreisten zusammen, saßen oft zusammen auf dem Boden in einer unserer Wohnungen um Spiele zu spielen, Musik zu hören, Kartoffeln zu schneiden oder um unsere Probleme gegenseitig zu lösen. Ich weiß noch wie Violet und ich es betrauerten, dass der Rewe in unserer Straße nicht mehr bis 0.00 Uhr auf hatte, sondern grotesk beschloss schon 22.00 Uhr zu schließen. (Was natürlich immer noch eine Stunde länger war als Penny, Lidl, Edeka oder Aldi, welche sich alle im Umkreis von 500m befanden.) Nur mit euch hatte ich die Motivation und Freude aus gefühlt 50 Kilogramm Kartoffeln innerhalb eines Abends ein Kartoffelfestessen zuzubereiten. Nicht zu vergessen sind unsere Halloweennächte oder allgemein alle Abende, an denen wir uns gegenseitig bemalten. Oder die Sommertage, an denen wir Dalia beim Fußball anfeuerten. Diskussionen über Harry Potter und andere Bücher, Filme, Männer, etc. kamen auch nicht zu kurz.
Ich vermisse es mit euch in der Bibliothek (oder auch im fancy Studiengebäude) zu sitzen, in der Mensa am Turm zu essen (freitags gab es Fisch!) oder mit euch ins Theater oder Kino zu gehen.
Mit euch fühlte sich das ganze Leben manchmal wie ein großer Insider-Witz an, es mussten nur Blicke ausgetauscht werden und es wurde hysterisch gelacht oder kollektiv die Augen verdreht. Ihr habt mich vieles über mich selbst gelehrt, standet an schlechten Tagen mit gutem Essen vor der Tür und habt meine Tränen getrocknet. Danke.
Im Moment stehen wir alle an verschiedenen Türen in unserem Leben, die eine öffnet bald eine neue, die andere weißt nicht welchen Türknauf sie als nächstes bevorzugt und ich hab das Gefühl, ich steh zwischen Tür und Angel. Trotz oder gerade wegen all unserer einzelnen Probleme und Schwierigkeiten, die wir in der momentanen Phase unseres Lebens haben, stehen wir zu einander und unterstützen uns. Wir haben für den Großteil der letzten ein, zwei Jahre eine freundschaftliche Fernbeziehung geführt.
Ich habe trotzdem das Gefühl, dass wir zusammen leben. Bei fünf jungen Frauen passiert immer etwas. Vor allem, wenn wir uns gegenseitig das Gefühl vermitteln einander auch die kleinste Sache, die uns aufregt oder emotional bewegt, erzählen zu können.

Solche Menschen, wie sie werde ich höchstwahrscheinlich nicht mehr finden.
Sagte die Mittzwanzigerin.

xx
ML

Kommentare:

  1. Ein wunderschöner Post..Freunde sind wichtig und gerade heutzutage wo alles so schnellebig ist schwer zu finden.
    Habe deinen Blog gerade entdeckt und finde ihn toll :D Du hast jetzt eine Leserin mehr.
    Würde mich freuen wenn du mal bei mir vorbeischaust

    LG
    Geri Diaries

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